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Ostdeutschland bei Gesundheitsversorgung abgehängt – Befragte beurteilen Situation vor Ort unterdurchschnittlich

Die Menschen im Osten Deutschlands beurteilen ihre Gesundheitsversorgung vor Ort schlechter als die Einwohner der meisten westlichen Bundesländer. Das geht aus einer repräsentativen Meinungsumfrage des Gesundheitsmonitors des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH) hervor.
Ostdeutschland bei Gesundheitsversorgung abgehängt – Befragte beurteilen Situation vor Ort unterdurchschnittlich

Bild: BAH

21.08.2019

Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen im September und Oktober geben die Ergebnisse der Befragung, die von The Nielsen Company im Auftrag des BAH unter 2.000 Bundesbürgern durchgeführt wurde, Grund zur Sorge.

Vier ostdeutsche Bundesländer bilden die Schlusslichter: Weniger als jeder Zweite schätzt in Brandenburg (45 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (46 Prozent), Sachsen-Anhalt (48 Prozent) und Sachsen (49 Prozent) die Gesundheitsversorgung an seinem Wohnort mit der Schulnote 1 oder 2 ein. Thüringen kommt zwar auf 53 Prozent, ist damit aber auch in der unteren Hälfte des Bundesländerrankings zu finden. Zum Vergleich: In Bayern beurteilen 66 Prozent der Befragten die Gesundheitsversorgung vor Ort als gut oder sehr gut. Der deutschlandweite Durchschnitt liegt bei 60 Prozent.

Ein weiteres Ergebnis der BAH-Befragung verstärkt den Eindruck, dass sich die Bewohner der neuen Bundesländer abgehängt fühlen: Sie beurteilen die eigene Situation vor Ort schlechter als die Versorgungssituation in Deutschland insgesamt. So geben 37 Prozent der Befragten in Sachsen dem deutschen Gesundheitswesen die Note 1 oder 2. Das ist höher als der bundesweite Durchschnitt (36 Prozent).

Ähnliches gilt für die Zukunft der Gesundheitsversorgung: Diese beurteilen die Befragten in den östlichen Bundesländern meist für Gesamtdeutschland positiver als für den eigenen Wohnort. So rechnen 41 Prozent der Brandenburger mit einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung vor Ort. Doch nur 36 Prozent der Brandenburger prognostizieren eine Verschlechterung deutschlandweit.

Die ostdeutschen Bundesländer sind größtenteils ländlich geprägt – so gibt es dort nur sieben Städte, die mehr als 200.000 Einwohner haben. Die Befragung des BAH-Gesundheitsmonitors hat ergeben, dass ein Zusammenhang zwischen der Ortsgröße und der Bewertung der Gesundheitsversorgung vor Ort besteht: je größer der Wohnort, desto höher die Zufriedenheit mit der Versorgung. In Dörfern und Städten mit bis zu 20.000 Einwohnern schätzen 51 Prozent der Befragten die Situation als gut oder sehr gut ein. In Städten mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.000 und 200.000 Einwohnern sind es bereits 59 Prozent, in Städten mit über 200.0000 Einwohnern sogar 66.

Diese Unterschiede zwischen den Ortsgrößen zeigt auch der aus speziell ausgewählten Antworten gebildete und zum ersten Mal erhobene Versorgungsindex. Er ist eine Art Gesamtergebnis, wie die Bundesbürger ihre Versorgungssituation einschätzen, und kann im besten Fall 100 betragen. Deutschlandweit liegt der Index derzeit bei 71. In Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern ist er überdurchschnittlich hoch (72), in Städten mit einer Einwohnerzahl zwischen 20.000 und 200.000 (70) und in kleineren Orten mit bis zu 20.000 Bürgern (67) liegt er unter dem Durchschnitt.

„Diese Ergebnisse sind ein Alarmsignal für Politik und Gesellschaft und bestätigen, was auch andere Befragungen und Statistiken schon ergeben haben: Die Gesundheitsversorgung ist vor allem in den ländlichen Regionen unterdurchschnittlich, und das betrifft insbesondere die ostdeutschen Bundesländer“, so Dr. Hubertus Cranz, Hauptgeschäftsführer des BAH. „Die Gesundheitsversorgung vor Ort leistet einen enormen Beitrag zum allgemeinen Wohlbefinden der Bevölkerung. Sie muss in strukturschwachen Regionen konsequent gefördert werden, um den Menschen dort einen niedrigschwelligen Zugang zu Ärzten, Fachärzten, Krankenhäusern und Apotheken zu geben.“

In strukturschwachen Regionen könnte gerade die Apotheke vor Ort an Bedeutung gewinnen. Der Apotheker kann vor allem Menschen mit leichten Erkrankungen beraten und so die Hausärzte entlasten. Bereits heute ist die Selbstmedikation mit Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten, insbesondere in Verbindung mit der persönlichen fachlichen Beratung in der Apotheke, ein zentraler Baustein in der Gesundheitsversorgung der Menschen. Zudem ist die Apotheke die Gesundheitseinrichtung, die sich laut Gesundheitsmonitor am nächsten zum Wohnort befindet: Sie ist im Schnitt 2,9 Kilometer entfernt.

Einen Lichtblick gibt es immerhin: Viele Menschen in Ostdeutschland beurteilen die Abstimmung zwischen Vor- und Nachbehandlern – also etwa Hausarzt und Facharzt oder Krankenhaus und Rehaklinik – bei der Gesundheitsversorgung recht positiv. So fanden 64 Prozent der Befragten in Sachsen die Zusammenarbeit aller Beteiligten gut oder sehr gut. In Sachsen-Anhalt sind es 57, in Thüringen 56 Prozent. Der bundesweite Durchschnitt beträgt hier 53 Prozent. Basis waren hierbei 1.000 Befragte, also diejenigen, die eine solche Art der Versorgung in Anspruch genommen hatten.

„Eine gute Zusammenarbeit vor Ort kann viel Negatives wettmachen“, sagt Cranz. „Ärzte und Apotheker können in diesem Zusammenhang das Gefühl von Sicherheit geben. So könnten sich Apotheken zu lokalen Gesundheitskompetenz- und Gesundheitskommunikationszentren entwickeln. Diese Zentren bieten dann Orientierung in einer immer flexibler werdenden Gesundheitswelt und übernehmen eine Lotsenfunktion.“

 

Kernstück des Gesundheitsmonitors des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller (BAH) ist der Versorgungsindex, der jedes Jahr einmal die Antworten  der  Bundesbürger  auf  Fragen  zur  allgemeinen  und  persönlichen Versorgungssituation zusammenfasst. In speziellen Umfragen, in der Regel zweimal pro Jahr, geht es um aktuelle und daher variierende Brennpunktthemen. Weitere Informationen  zum Gesundheitsmonitor finden sich auf der Website des BAH.

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